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Starkregenvorsorge
Die Starkregenvorsorge ist Teil des Klimaplans Göttingen 2030 im Handlungsfeld „An den Klimawandel anpassen“. Überschwemmung aufgrund von Starkregen stellt eine der größten Herausforderungen für die Stadtplanung und das Leben in Städten gegenwärtig und künftig dar. Durch die Klimakrise wird das Auftreten solcher extremen Wetterereignisse an Häufigkeit und Intensität weiter zunehmen. Starkregen kann überall auftreten, jede*n treffen und erhebliche Schäden verursachen. Es ist daher wichtig, sich mit dem Thema Starkregenvorsorge auseinanderzusetzen, um die eigene Betroffenheit richtig einzuschätzen und geeignete Vorkehrungen frühzeitig zu treffen.
Um das Schadenspotential an Gebäuden und für die Stadtgesellschaft zu reduzieren, hat die Stadt Göttingen in Zusammenarbeit mit den Göttinger Entsorgungsbetrieben (GEB) ein umfangreiches Beratungs- und Informationsangebot zur Starkregenvorsorge erarbeitet. Dazu gehören neben einer Informationsbroschüre, die Ihnen nützliche Hinweise zum Thema Starkregen und Schutzmaßnahmen aufzeigt, folgende drei Angebote:
1. Starkregengefahrenkarte
Die Stadt Göttingen hat eine Starkregengefahrenanalyse für das gesamte Stadtgebiet erstellt, welche auf hydrologischen Berechnungen basiert. Mit der daraus resultierenden Starkregengefahrenkarte ist für Bürger*innen ein freier Zugang zu potentiellen Überflutungsdaten im Stadtgebiet möglich und sie können für mögliche Klimawandelfolgen und deren Anpassung sensibilisiert werden.
Die Gefahrenkarte visualisiert mögliche Überflutungsgebiete mit potentiell auftretenden Wasserständen sowie oberflächigen Fließwegen und -geschwindigkeiten innerhalb der Stadt auf Grundlage zweier verschiedener Starkregenszenarien. Diese Szenarien zeigen die Situation eines intensiven sowie eines außergewöhnlichen Starkregenereignisses.
Starkregengefahrenkarte für das Stadtgebiet Göttingen© Stadt Göttingen
2. Kostenlose Grundstücksauskunft für Grundstückseigentümer*innen
Im Zuge des Starkregenvorsorgekonzeptes der Stadt Göttingen können Sie als Eigentümer*innen eine kostenlose Auskunft zu Ihrem Grundstück beantragen. Dabei erhalten Sie individuelles Kartenmaterial, bestehend aus einem Luftbild und einem Ausschnitt der Starkregengefahrenkarte für Ihr Grundstück. Hierdurch ist ein detaillierter Überblick über die potentielle Überflutungsgefährdung durch Starkregen auf dem eigenen Grundstück möglich.
Um einen Antrag auf eine individuelle Grundstücksauskunft zu stellen, füllen Sie bitte das unten stehende Online-Formular aus. Mit der Schaltfläche "absenden" wird der Antrag an die Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) übermittelt und geprüft.
Die Grundstücksauskunft wird Ihnen postalisch zugesandt. Darüber hinaus können Sie weitere individuelle Erläuterungen des verschickten Kartenmaterials sowie Empfehlungen für konkrete Schutzmaßnahmen gegen Starkregen auf Ihrem Grundstück bei einer kostenlosen Erstberatung durch die GEB beantragen.
Bitte beachten Sie, dass Sie nur berechtigt sind, eine Grundstücksauskunft zu beantragen, wenn Sie Eigentümer*in des angegebenen Grundstückes sind. Der Antrag kann zudem nur für Grundstücke innerhalb des Stadtgebiets Göttingen gestellt werden.
Hier beantragen Sie eine Grundstücksauskunft: Online-Formular
3. Vor-Ort-Beratung für Grundstückseigentümer*innen
Zuzüglich der Grundstücksauskunft und insbesondere, wenn sich hieraus eine potentielle Gefährdung des Grundstückes herausgestellt hat, bieten die Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) eine kostenlose und individuelle Erstberatung für Eigentürmer*innen vor Ort an. Hierbei ermitteln Mitarbeiter*innen mögliche Schwachstellen am Haus, über die Wasser bei Starkregen eindringen kann, sowie Lösungsansätze und Vorsorgemaßnahmen, um potentielle Schäden zu minimieren. Darüber hinaus informieren sie rund um die Themen Starkregen und nachhaltige Regenwassernutzung, baulicher Rückstau- und Objektschutz sowie klimaangepasste Grundstücksgestaltung.
Die Beratung kann über das Online-Formular der Grundstücksauskunft oder per E-Mail an starkregen-info@goettingen.de beantragt werden.
4. Finanzielle Unterstützung über den KlimaFonds
Sollten sich Grundstückseigentümer*innen auf Basis des Beratungsangebotes dazu entscheiden Maßnahmen zur Starkregenvorsorge an ihrem Haus umzusetzen, werden diese Maßnahmen von der Stadt finanziell im Rahmen des KlimaFonds bezuschusst. Alle Infos dazu sowie die passenden Formulare zu zur Antragstellung finden Interessierte hier.
Mithilfe des Beratungs- und Informationsangebotes sollen die Auswirkungen von Starkregenereignissen als Teil der kommunalen Gemeinschaftsaufgabe zusammen mit den Bürger*innen minimiert und das Leben in Göttingen an die Folgen des Klimawandels angepasst werden.
Die Starkregenvorsorge Göttingen wurde 2024 als vorbildliches Modellprojekt bei gleich drei Wettbewerben ausgezeichnet. Das Projekt hat auf Bundesebene den „Blauen Kompass“ vom Umweltbundesamt und den „Goldenen Kanaldeckel“ vom Institut für Unterirdische Infrastruktur erhalten. In Niedersachsen wurde das Projekt im Wettbewerb „Klima Kommunal 2024“ vom niedersächsischen Umweltministerium prämiert. Im Zuge des Blauen Kompass ist dabei dieses Video entstanden, welches die Göttinger Starkregenvorsorge gut auf den Punkt bringt.
Informationen rund um das Thema Starkregenvorsorge:
Was ist Starkregen?
Starkregen bezeichnet ein Regenereignis mit hohen Niederschlagsmengen in einer meist kurzen Zeiteinheit (Minuten bis Stunden). Er kann insbesondere im Sommer überall auftreten und geht häufig mit lokal begrenzten Gewittern einher. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor möglichem Starkregen ab einer Regenmenge von 15-25 Litern pro m² in einer Stunde. Durch die Klimaerwärmung werden die Intensität und Häufigkeit von Starkregenereignissen in Zukunft auch in Göttingen weiter zunehmen. Dennoch wird Starkregen als Naturgefahr meist unterschätzt, -etwa weil bis dato noch nie ein starkes Ereignis in der Nachbarschaft aufgetreten ist-, obwohl das Schadenspotential im Vergleich zu Flusshochwasser deutlich höher ausfallen kann. Aufgrund der plötzlichen großen Wassermengen können Starkniederschläge schnell zu Überflutungen und Schäden am Eigentum führen. Besonders gefährdet sind dann vor allem stark versiegelte Flächen, wie Städte und Siedlungen, oder Gebäude in Senken- und Hanglagen. Daher ist eine optimale Anpassung und Vorsorge auch auf dem privaten Grundstück essentiell.
Um Starkregenereignisse besser verständlich zu machen und einordnen zu können, wurde der sogenannte Starkregenindex (SRI) eingeführt. Er verbindet statistisch berechnete Wiederkehrzeiten mit Regenmengen und ihrer Klassifikation in Kategorien. Ähnlich einer Erdbeben-Skala ist der SRI in 12 Stufen eingeteilt. Die Starkregenvorsorge in Göttingen befasst sich insbesondere mit den intensiven und außergewöhnlichen Starkregenereignissen 5 und 6, die also statistisch gesehen alle 30 bzw. 50 Jahre vorkommen.
Starkregenindex© Stadt Göttingen/AMARETIS nach Schmitt et al. 2018
Welche Gefahrenstellen gibt es bei Starkregen am Gebäude?
Wasser hat viele Möglichkeiten in ein Gebäude zu gelangen. Da Regenwasser auf befestigten Flächen auf dem Grundstück kaum verdunstet oder versickert, fließt der Großteil als Oberflächenabfluss ab. Dann kann es über Kellertüren und -fenster, Lichtschächte oder Garageneinfahrten, aber auch über Schadstellen am Dach oder der Regenrinne oberirdisch ins Haus gelangen.
Gleichzeitig kann es bei Starkregen auch zu einer kurzfristigen Überlastung des öffentlichen Kanalsystems kommen. Dabei staut das Wasser über Hausanschlüsse zum Grundstück zurück und kann über Waschbecken, Toiletten, Duschen oder Bodeneinläufe in den Keller fließen, wenn diese tiefer als das Straßenniveau liegen und nicht ausreichend gegen Rückstau gesichert sind.
Darüber hinaus können sich auch Sicker- und Grundwasser in Bodenschichten aufstauen und dabei hydrostatischen Druck ausüben. Dieses Wasser kann über Kellerwände, Kellersohlen oder Wanddurchbrüche für Leitungen ins Gebäude eindringen. Aber auch undichte Grundleitungen unter dem Gebäude oder kaputte Regenfallrohre können zu Feuchtigkeit, Vernässungen oder sogar Instabilität durch Ausspülungen führen.
Der erste Schritt der privaten Starkregenvorsorge sollte daher der genaue Blick auf das eigene Grundstück und Gebäude sein. Diese sollten nach möglichen Schwachstellen abgesucht werden, sodass passende Maßnahmen abgewogen werden können:
Gefahrenstellen am Haus: (1) Wassereintritt aufgrund von Rückstau in der Kanalisation; (2) Wassereintritt über tiefliegende Fenster oder Lichtschächte; (3) Wassereintritt über Kellerabgänge und Garagen; (4) Überlauf von Dachrinnen; (5) Eintritt von Sicker- oder Grundwasser durch undichte Kellersohlen oder -wände; (6) Wassereintritt über schadhafte Grundleitungen; (7) Gebäudelage in einer Senke© Göttinger Entsorgungsbetriebe
Was bedeutet kommunale Gemeinschaftsaufgabe im Bereich Starkregenvorsorge?
Im Falle von Starkregenereignissen ist ein breit ausgelegtes Starkregenvorsorgemanagement von großer Bedeutung, da sonst Überflutungen und Schäden die Folge sein können. Um diesem Szenario entgegenzuwirken, beraten die Göttinger Entsorgungsbetriebe Grundstückseigentümer*innen in einer kostenlosen Erstberatung direkt vor Ort auf dem betroffenen Grundstück. Da die Überflutungsvorsorge aber nicht nur von den privaten Grundstückseigentümer*innen geleistet werden kann, handelt es sich immer um eine kommunale Gemeinschaftsaufgabe.
Während die Stadt Göttingen für die Gestaltung von öffentlichen Freiflächen und dem Verkehrsraum verantwortlich ist und die Göttinger Entsorgungsbetriebe für ein intaktes Kanalnetz Sorge tragen, ist die Eigenvorsorge von Bürger*innen durch angepasste Objektschutzmaßnahmen auf privaten Grundstücken notwendiger denn je. Eine optimale Anpassung an klimawandelbedingte Starkregenereignisse erfordert somit die Zusammenarbeit zwischen Politik, der öffentlichen Hand und Kommunen sowie den Bürgerinnen und Bürgern. Nur gemeinsam und auf unterschiedlichen Ebenen (öffentlich und privat) kann ein ganzheitliches Risikomanagement und eine effiziente Starkregenvorsorge erreicht werden. Somit liegt die Verantwortung nicht allein bei einzelnen Akteur*innen, sondern bei der Gemeinschaft.
Akteure der kommunalen Gemeinschaftsaufgabe© GEB nach Krieger 2009
Wo gibt es weiterführende Informationen und Dokumente?
Im Folgenden steht Ihnen diese Starkregen-Informationsbroschüre mit genaueren Details zu möglichen Schutzmaßnahmen zum Download zur Verfügung.
Über den Selbst-Check können Sie zudem selbst einschätzen, wie gut Sie bereits vor Starkregen geschützt sind.
Weitere nützliche Links zum Thema:
- Beratung: Göttinger Entsorgungsbetriebe- Grundstücksentwässerung
- Starkregengefahrenkarte: goe.de/starkregenkarte
- Kontakt: starkregen-info@goettingen.de
- Starkregen: Deutscher Wetterdienst
Häufig gestellte Fragen
Wie entsteht unser Wetter und wie verändert es sich durch den Klimawandel?
Das Wetter in unseren (mittleren) Breiten ist geprägt vom Wechselspiel zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten. Diese Druckgebilde entstehen durch Temperaturunterschiede zwischen dem Äquator und den Polen. Durch den Klimawandel verändert sich neben der Zusammensetzung auch die Temperatur der Atmosphäre. Genauer gesagt wird es an den Polen stärker und schneller warm als am Äquator, wodurch die Temperaturunterschiede geringer ausfallen. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Entwicklung von Hoch- und Tiefdruckgebieten (dynamischer Effekt). Extremwetterlagen und auch die Dauer der einzelnen Hoch- oder Tiefdruckgebiete werden dadurch wahrscheinlich zunehmen.
Zum heutigen Zeitpunkt hat sich die Atmosphäre bereits um mehr als 1,2 °C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmt. Da wärmere Luft mehr Wasser in Form von Wasserdampf aufnehmen kann (thermodynamischer Effekt), bedeutet das lokal, dass im Durchschnitt mit häufigeren und intensiveren Niederschlagsereignissen, aber auch mit längeren Dürreperioden zu rechnen ist. Beide Effekte spielen zusammen und können sich gegenseitig verstärken und abschwächen.
Wann tritt Starkregen auf und lässt sich Starkregen vorhersagen?
Gemäß des Deutschen Wetterdienstes geht Starkregen meist mit konvektiver Bewölkung, also z.B. mit Gewittern einher. Starkniederschläge sind somit häufig von heftigem Ausmaß. Allerdings sind Gewitter häufig lokal begrenzt und entladen ihre Energie meist plötzlich. Demnach ist ihre Vorhersage sehr schwer und mit derzeitiger Technik fast unmöglich. Das Unwetterpotential kann aber ermittelt und dann als Unwetterwarnung für eine ganze Region herausgegeben werden.
Im Vergleich zu Flusshochwasser reduziert sich die Vorwarnzeit für Starkregenereignisse von Tagen auf wenige Stunden. Demnach bleibt für Schutzmaßnahmen nicht mehr viel Zeit. Vorsorge für den Starkregenfall ist daher sehr wichtig.
Wird Starkregen in Zukunft häufiger auftreten?
Es werden regelmäßige Berichte zum Klimawandel mit seinen Verläufen und Folgen veröffentlicht. Mithilfe von Klimamodellen kann das Klima für einzelne Regionen bis Mitte und Ende des Jahrhunderts vorausgesagt werden. Den Klimamodellen liegen jeweils 4 verschiedene Szenarien zugrunde. Nach Berechnungen gemäß des „Weiter-wie-bisher-Szenarios“ (RPC 8.5) kommen sie zu dem Ergebnis, dass sich die Extremwetterereignisse seit 1950 bereits in ihrer Häufigkeit und Intensität um bis zu 19 % verstärkt haben und sich im Laufe des Jahrhunderts weiter verstärken werden. Somit wird es zu intensiveren Starkregenereignissen kommen, gefolgt von langanhaltenderen Trockenperioden. Sehr trockene Böden können im Vergleich zu feuchteren Böden schlechter mit Starkregen umgehen und weniger Wasser aufnehmen. Damit könnte sich in solchen Trockenperioden das Schadenspotential bei Starkregen durch große Mengen an Oberflächenabfluss weiter erhöhen.
Was hat Starkregen mit Hochwasser zu tun?
Überflutungen durch Starkregen und Hochwasser sind grundsätzlich nicht dasselbe. Starkregen ist meist von hohen Niederschlagsmengen in kurzer Zeit gekennzeichnet. Durch das plötzliche und heftige Auftreten können Böden und Kanalisation die großen Wassermassen nicht aufnehmen und es kommt zu oberflächigem Abfluss oder Überflutungen. Hochwasser tritt hingegen im Bereich von Flüssen auf. Bei langandauernden Landregen steigen ihre Wasserpegel an bis das Flusswasser letztlich über die Ufer tritt und zu Hochwasser-Überflutungen führen kann.
Warum waren die Überflutungen und Schäden im Ahrtal 2021 so verheerend?
Im Ahrtal kam es aufgrund verschiedener Standortbedingen vor Ort zu kaskadenartigen Vorfällen. Die Überschwemmungen wurden durch heftige Regenfälle über etwa zwei Tage hinweg, bereits gesättigte Böden, die kein weiteres Wasser mehr aufnehmen konnten, und durch lokale hydrologische und topographische Faktoren verursacht. Das Ahrtal ist aufgrund seiner engen Täler und steilen Hänge besonders gefährdet bei Starkregen. Hinzu kam das langsam ziehende Tiefdruckgebiet „Bernd“ über Europa, welches lange Zeit bei hohen Temperaturen Wasser aufnehmen konnte. Dieses regnete sich an den Mittelgebirgen in Nordrhein-Westfalen und Rheinlad-Pfalz schließlich ab. Durch den langanhaltenden starken Regen kam es zunächst zu Flusshochwasser. Ein großes Problem war dabei das mitgespülte Material in den Flüssen, z.B. Bäume oder Gegenstände. Dieses verstopfte Brücken und Wasser staute sich hoch an. Beim Einstürzen der Brücken entstanden dann schlagartige Hochwasserwellen. Das Ahrtal erlebte somit ein Zusammenspiel aus meteorologisch und topographisch ungünstigen Bedingungen.
Kommen T50-Starkregenereignisse exakt alle 50 Jahre vor?
Die in der Starkregengefahrenkarte dargestellten Starkregenereignisse sind statistische Modellberechnungen, die auf hydrologischen, meteorologischen und topographischen Eingangsparametern beruhen. Die Kategorisierung in Wiederkehrzeiten ist somit ebenfalls das Ergebnis von Berechnungen und darf nicht wörtlich verstanden werden. Da Computermodelle nicht eins zu eins in die Realität übertragen werden können, gibt es Abweichungen zu den tatsächlichen Eintrittswahrscheinlichkeiten. Diese sind nur als Anhaltspunkt des Ausmaßes zu verstehen. Aufgrund einer möglichen Fehlinterpretation bei der Angabe der Wiederkehrzeiten wurde der Starkregenindex (SRI) zur Übersetzung der Regenereignisse herangezogen. Der SRI verbindet die statistisch berechneten Wiederkehrzeiten mit durchschnittlichen Regenmengen und der jeweiligen Starkregenkategorie.
Welche Gebiete in der Stadt sind bei Starkregen besonders gefährdet?
Allgemein besteht für alle Grundstücke ein Überflutungsrisiko, die stark versiegelt sind, keinen intakten Rückstauschutz aufweisen sowie Kellerräumlichkeiten oder eine Tiefgarage besitzen. Aber auch die Lage des Grundstückes und die Topographie der Umgebung beeinflussen das Gefährdungspotential. Besonders gefährdet sind Gebäude in Senken- oder Hanglagen sowie in der Nähe von Gewässern. Die Starkregengefahrenkarte verschafft einen ersten Überblick über das Überflutungsrisiko innerhalb des Stadtgebietes. Darüber hinaus wird empfohlen, Schwachstellen am Haus zu identifizieren und die Funktionstüchtigkeit der Rückstauschutztechniken zu überprüfen.
Bei Unsicherheiten, ob das eigene Grundstück gefährdet ist oder welche Schutzmaßnahmen im Zweifel zu ergreifen sind, beraten die Göttinger Entsorgungsbetriebe kostenlos vor Ort. Die Vor-Ort-Beratung kann unter www.goettingen.de/starkregen oder über starkregen-info@goettingen.de beantragt werden.
Wie kann das Wasser in mein Gebäude eindringen?
Wasser kann über verschiedene Wege ins Haus gelangen. Oberflächiges Wasser kann über undichte Fenster und Türen, Lichtschächte oder über die Terrasse bei Souterrainwohnungen ins Gebäude fließen. Daneben kann auch Sicker-, Grund- und Schichtenwasser bei einer unzureichenden Isolierung der Grundmauern zu Schäden am Haus führen. Auch defekte Grundleitungen können Feuchtigkeitsschäden verursachen. Darüber hinaus kann Abwasser bei Rückstau in Kellerräumen austreten, wenn die darin befindlichen Entwässerungsanlagen wie Toiletten, Duschen, oder Bodeneinläufe nicht ausreichend gegen Rückstau gesichert sind.
Warum kommt es zum Rückstau im Kanal?
Bei Rückstau staut das Abwasser vom öffentlichen Kanal bis in die Leitungen des privaten Grundstückes zurück. Rückstau ist ein normales Phänomen, das z.B. durch Abflusshindernisse wie Ablagerungen oder Wurzeleinwüchse in die Rohrleitungen auftreten kann. Aber auch bei extremen Regenmengen bei Starkregen kann es zu einem Rückstau im Kanalnetz kommen. Für solche Fälle ist ein Rückstauschutz unverzichtbar. Er verhindert, dass zurückstauendes Abwasser über Entwässerungsgegenstände wie Toiletten oder Bodeneinläufe im Keller ins Gebäude gelangt.
Wie kann ich mein Grundstück gegen die Folgen von Starkregenereignissen schützen?
Grundsätzlich sollte bei der Wahl der Maßnahmen die Hilfe von Fachleuten hinzugezogen werden. Die Göttinger Entsorgungsbetriebe beraten Grundstückseigentümer*innen diesbezüglich kostenlos vor Ort. Jedes Maßnahmenkonzept muss fallspezifisch erarbeitet werden. Dennoch gibt es eine Auswahl an geläufigen Maßnahmen, die in der Starkregen-Informationsbroschüre detaillierter beschrieben werden.
- Rückstauschutz (z.B. Hebeanlagen, Rückstauverschlüsse)
- Objektschutz (z.B. Aufkantungen, Einfassungen, Abdichtungen)
- Grundstücksgestaltung (z.B. Entsiegelung, Dachbegrünung, Regenwassernutzung)
- Weitere Maßnahmen (z.B. Nutzung der Kellerräumlichkeiten, Versicherungsschutz)
Was mache ich, wenn mein Haus überflutet wird?
Grundsätzlich gilt: Menschenleben gehen Sachwerten vor! Im Ernstfall sollten daher zuerst hilfebedürftige Menschen und Kinder in Sicherheit gebracht werden. Das Betreten von Räumen, in die bereits Wasser eingetreten ist, sollte unter allen Umständen vermieden werden! Insbesondere in Kellern, Souterrainwohnungen oder Tiefgaragen lassen sich Türen durch den hohen Wasserdruck nicht mehr öffnen und verwandeln sich in eine lebensbedrohliche Falle. Darüber hinaus besteht die Gefahr eines Stromschlags. Darüber hinaus sollte die Aufgabenverteilung unter den Familienmitgliedern abgesprochen werden. Wichtig ist u.a. die Frage, wer die persönlichen Dokumente mitnimmt. Letztlich sollte die aktuelle Unwetterwarnung aufmerksam verfolgt werden.
Nach dem Überflutungsfall sollte die beschädigte Bausubstanz durch Fachleute geprüft werden. Je nach Überflutungsfall kann Einsturzgefahr bestehen. Um Bauschäden, Schimmelpilz oder Schädlingsbefall zu vermeiden, sollten die betroffenen Bereiche möglichst schnell getrocknet werden. Wenn im Haus Chemikalien wie Farben und Lacke ausgelaufen sind, muss unverzüglich die Feuerwehr informiert werden. Auch die Versicherung muss zügig informiert werden. Dafür ist es wichtig, Fotos von den Schäden zur Beweissicherung zu machen. Da Starkregen mit Überschwemmungen immer wieder auftreten können, ist der nächste Schritt die möglichen Schwachstellen am Objekt zu identifizieren und entsprechende Vorsorge zu betreiben.
Welche Schäden können an Gebäuden entstehen?
Je nach Überflutungsfall und Nutzung der Räumlichkeiten fällt das Schadenspotential unterschiedlich hoch aus. Grundsätzlich gilt, je hochwertiger die Nutzung oder Gegenstände sind, desto höher ist der Schaden. Diese Schäden können vom Verlust persönlicher Dokumente bis hin zum technischen Versagen von Heizungen, Waschmaschinen oder Elektrogeräten führen. Neben der Beschädigung von Sachgegenständen kommt es bei einem Überflutungsfall aber auch nicht selten zu Schäden an der Gebäudesubstanz. Feuchtigkeit oder drückendes Wasser führen dabei zu Rissen oder es können sich sogar Hohlräume unterhalb des Gebäudes bilden. Hierbei besteht Einsturzgefahr und es müssen in jeden Fall Fachleute zur Prüfung herangezogen werden. Hat sich bereits Schimmel gebildet oder sind im Wasser Schadstoffe gelöst, besteht zudem eine akute Gefährdung der Gesundheit.
Wer kommt für die Folgen von Starkregen auf?
Starkregen zählt zu den klimawandelbedingten Extremwetterereignissen und tritt nur sehr selten auf. Die Überflutungsvorsorge ist als eine kommunale Gemeinschaftsaufgabe zu verstehen, weswegen die Vermeidung von Schäden aus Starkregenereignissen sowohl Aufgabe der Kommune als auch jedes/r Einzelnen ist. Zwar übernimmt die Kommune Vorsorge für öffentliche Flächen und Grundstücke, für das eigene Grundstück ist jedoch jede/r Eigentümer*in im Sinne der Eigenvorsorge selbst verantwortlich. Bei Schäden durch Starkregen haftet daher die Kommune in der Regel nicht. Im besten Fall wurde eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen.
Warum wird das Kanalnetz nicht ausgebaut oder vergrößert?
Das Kanalnetz ist gemäß der technischen Regelwerke auf den sogenannten Regelbetrieb ausgelegt. Das heißt, es werden regelmäßig und durchschnittlich anfallende Niederschlagsmengen abgeleitet. Extremregenereignisse bezeichnen außergewöhnliche Niederschlagsmengen, die selten und unregelmäßig auftreten. Die alleinige flächendeckende Vergrößerung des Kanalnetzes wäre sowohl aus technischen als auch finanziellen Gründen nicht realisierbar. Darüber hinaus führen größere Kanäle lediglich zu einer Verlagerung der Wassermassen. Diese münden meist im nächstgelegenen Gewässer und können dann tieferliegende Ortschaften durch Flusshochwasser gefährden. Im Bereich der Überflutungsvorsorge steht also nicht der Ausbau des Kanalnetzes, sondern die Anpassung der Flächen und Gebäude im Vordergrund. Somit ist das Ziel der Starkregenvorsorge nicht, die Wassermengen zu vermeiden, sondern die Auswirkungen und Schäden dieser Überflutungen zu minimieren.
Warum sind Maßnahmen der Eigenvorsorge sinnvoll?
Von intensivem Starkregen spricht man ab Niederschlagsmengen von etwa 40 Litern pro m² in einer Stunde. Dies sind im Vergleich zu gewöhnlichen Regenfällen enorme Mengen an Wasser. Das öffentliche Kanalnetz und auch natürliche Böden stoßen dabei an ihre Kapazitätsgrenzen und können kein weiteres Wasser mehr aufnehmen. Stattdessen fließt dieses dann oberflächig ab und kann zu Überflutungen führen. Letztlich geht es also nicht darum, die Wassermengen zu verhindern, sondern gezielt damit umzugehen, sodass Schäden so gering wie möglich ausfallen. Hier ist insbesondere die Eigenvorsorge von Einzelnen gefragt, um das eigene Hab und Gut zu schützen. Bereits durch kleine bauliche Veränderungen kann das Wasser im Starkregenfall über die Straße oder sogenannte Notwasserwege schadlos zu einer Freifläche oder in ein Gewässer abgeleitet werden. Wichtig ist, dass das Wasser nicht vom eigenen Grundstück zum Nachbargrundstück geleitet wird und dort zu Problemen führt.


